Make your own free website on Tripod.com
Best of - Havamal

Auf dieser Seite habe ich einige Strophen aus dem Havamal der Edda zusammengestellt, die meiner Meinung nach auch heute noch aktuell sind. Übersetzt bedeutet Havamal soviel wie Des Hohen Lied oder Die Rede des Erhabenen, wobei Odin als Gott der Weisheit gemeint ist.

 
Wärme wünscht, der vom Wege kommt   
Mit erkaltetem Knie;   
Mit Kost und Kleidern erquicke den Wandrer,   
Der über Felsen fuhr.
 
 
Nicht üblern Begleiter gibt es auf Reisen   
Als Betrunkenheit ist,   
Und nicht so gut als mancher glaubt   
Ist Äl den Erdensöhnen,   
Denn um so minder, je mehr man trinkt,   
Hat man seiner Sinne Macht.
 
 
Trunken war ich und übertrunken   
In des schlauen Fialars Felsen.   
Trunk mag taugen, wenn man ungetrübt   
Sich den Sinn bewahrt.
 
 
Schweigsam und vorsichtig sei des Fürsten Sohn   
Und kühn im Kampf.   
Heiter und wohlgemut erweise sich jeder   
Bis zum Todestag.
 
 
Der Armselige, Übelgesinnte   
Hohnlacht über alles   
Und weiß doch selbst nicht, was er wissen sollte,   
Daß er nicht fehlerfrei ist.
 
 
Unweiser Mann durchwacht die Nächte  
Und sorgt um alle Sachen;  
Matt nur ist er, wenn der Morgen kommt,  
Der Jammer währt, wie er war.
 
 
Ein unkluger Mann meint alles zu können,  
Wenn er sich einmal zu wahren wußte.  
Doch wenig weiß er, was er antworten soll,  
Wenn er mit Schwerem versucht wird.
 
 
Ein unkluger Mann, der zu andern kommt,  
Schweigt am besten still.  
Niemand bemerkt, daß er nichts versteht,  
So lang er zu sprechen scheut.  
Nur freilich weiß, wer wenig weiß,  
Auch das nicht, wann er schweigen soll.
 
 
Der schwatzt zuviel, der nimmer geschweigt  
Eitel unnützer Worte.  
Die zappelnde Zunge, die kein Zaum verhält,  
Ergellt sich selten Gutes.
 
 
Mach' nicht zum Spott der Augen den Mann,  
Der vertrauend Schutz will suchen.  
Klug dünkt sich leicht, der von keinem befragt wird  
Und mit heiler Haut daheim sitzt.
 
 
Der milde mutige Mann ist am glücklichsten,  
Den selten Sorge beschleicht;  
Doch der Verzagte zittert vor allem,  
Den Geizigen reut stets das Geschenk.
 
 
Der Dornbusch dort, der im Dorfe steht,  
Ihm bleibt nicht Blatt noch Borke.  
So geht es dem Mann, den niemand mag:  
Was soll er länger leben?
 
 
Wie Körner im Sand, klein an Verstand,  
Ist kleiner Seelen Sinn.  
Ungleich ist der Menschen Einsicht;  
Zwei Hälften hat die Welt.
 
 
Der Mann muß mäßig weise sein,  
Doch nicht allzu weise.  
Das schönste Leben ist dem beschieden,  
Der recht weiß, was er weiß.
 
 
Der Mann muß mäßig weise sein,  
Doch nicht allzu weise.  
Des Weisen Herz erheitert sich selten,  
Wenn er zu weise wird.
 
 
Früh aufstehen soll, wer wenig Arbeiter hat,  
Und schaun nach seinem Werke.  
Manches versäumt, wer den Morgen verschläft:  
Dem Raschen gehört der Reichtum halb.
 
 
Rein und gesättigt reit' zur Versammlung,  
Um schönes Kleid unbekümmert.  
Der Schuh' und Hosen schäme sich niemand,  
Noch des Hengstes, hat er nicht guten.
 
 
Zu sagen und zu fragen verstehe jeder,  
Der nicht dumm will dünken.  
Nur einem vertrau' er, nicht auch dem andern;  
Wissen 's dreie, so weiß es die Welt.
 
 
Ganz unglücklich ist niemand, ist er gleich nicht gesund:  
Einer hat an Söhnen Segen,  
Einer an Freunden, einer an vielem Gut,  
Einer an trefflichem Tun.
 
 
Leben ist besser, auch Leben in Armut:  
Der Lebende kommt noch zur Kuh.  
Feuer sah ich des Reichen Reichtümer fressen,  
Und der Tod stand vor der Tür.
 
 
Der Hinkende reite, der Handlose hüte,  
Der Taube taugt noch zur Tapferkeit.  
Blind sein ist besser als verbrannt werden:  
Der Tote nützt zu nichts mehr.
 
 
Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,  
Endlich stirbt man selbst;  
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,  
Welcher sich guten gewann.
 
 
Das Vieh stirbt, die Freunde sterben,  
Endlich stirbt man selbst;  
Doch eines weiß ich, das immer bleibt:  
Das Urteil über den Toten.
 
 
Mit Schimpf und Hohn verspotte nicht  
Den Fremden noch den Fahrenden.  
Selten weiß, der zu Hause sitzt,  
Wie edel ist, der einkehrt.
 
 
Laster und Tugenden liegen den Menschen  
In der Brust beieinander.  
Kein Mensch ist so gut, daß nichts ihm mangle,  
Noch so böse, daß er zu nichts nützte.
 
 
Haarlosen Redner verhöhne nicht:  
Oft ist gut, was der Greis spricht.  
Aus welker Haut kommt oft weiser Rat;  
Hängt ihm die Hülle gleich,  
Schrinden ihn auch Schrammen,  
Der unter Wichten wankt.
 
 
Sie boten mir nicht Brot noch Met;  
Da neigt' ich mich nieder  
Auf Runen sinnend, lernte sie seufzend:  
Endlich fiel ich zur Erde.
 
 
Zu gedeihen begann ich und begann zu denken,  
Wuchs und fühlte mich wohl.  
Wort aus dem Wort verlieh mir das Wort,  
Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.
 
 
Besser nicht gebetet, als zu viel geboten:  
Die Gabe will stets Vergeltung.  
Besser nichts gesendet, als zu viel getilgt;  
So ritzt' es Thundr zur Richtschnur den Völkern.  
Dahin entwich er, von wannen er ausging.
 



ek vitki rista runar ingo haite hrafn haite

ZuRuEcK ZuR HoMePaGe
Seite zuletzt geändert am 10.09.1998 / © 1997 n. Chr. by Ingo Frank / eMail: 
URL: http://members.tripod.com/~ingheim/havamal.htm